Programm
Isang Yun (1917-1995): Chinesische Bilder (1993)
Die musikalische Inspiration beruht auf vier Bildern, die sich im Elternhaus von Isang Yun in Korea befanden. Diese Bilder stellen klassische Motive der ostasiatischen Kunst und Philosophie dar, die Yun in seinem typischen Stil zwischen fernöstlicher Tradition und westlicher Moderne vertonte. Die Werke sind durch Yuns „Hauptton-Technik“ geprägt. Dabei wird ein einzelner Ton durch feine Verzierungen, Glissandi und mikrotonale Schwankungen (ähnlich der Spielweise asiatischer Längsflöten wie der Daegeum) belebt.
1. Der Besucher der Idylle: Eine malerische, meditative Stimmung, stark von asiatischer Ästhetik und fernöstlicher Philosophie.
2. Der Eremit am Wasser: Das Werk spiegelt die einsame Kontemplation und Naturverbundenheit wider. Ein Zustand der Abgeschiedenheit und spirituellen Ruhe.
3. Der Affenspieler: Das Stück ist von der Klangwelt der japanischen Nô-Flöte inspiriert und zeichnet sich durch schnelle, lebhafte Rhythmen sowie einen Kontrast zwischen enger, kreisender Gestik und weiten Intervallen aus, was an eine szenische Darstellung erinnert.
4. Die Hirtenflöte: Ein Rückbezug auf das Instrument selbst und die pastorale Einfachheit der ländlichen Tradition.
Fumiharu Yoshimine (*....): „Mudai“ (1999)
Der japanische Titel "Mudai" bedeutet übersetzt „Ohne Titel“. Das Werk nutzt die klanglichen Möglichkeiten der Tenorblockflöte voll aus. Es kombiniert meditative, fast statische Momente mit expressiven, technisch anspruchsvollen Passagen, die typisch für die "Neue Musik" für Blockflöte sind. Die Musik ist geprägt von einer hohen Sensibilität für Stille und den „geistigen Atem“, was dem Stück eine fast spirituelle Tiefe verleiht. Das Werk ist in drei Fragmente unterteilt, die oft als atmosphärische Momentaufnahmen interpretiert werden.
Isang Yun (1917-1995): Monolog for Bassoon (1983-1984)
Ein Werk von extremer emotionaler Intensität und Schönheit. Die Partitur ist extrem präzise notiert, lässt dem Interpreten aber gleichzeitig Raum für eine tiefgehende, persönliche Gestaltung. Isang Yun verkörpert hier Sehnsucht nach Freiheit, Selbstgespräch und Selbstbefragung. Yun lebte zur Zeit der Entstehung in Deutschland im Exil. Seine Werke aus dieser Phase (den 1980er Jahren) sind oft von der Sehnsucht nach einer Versöhnung der Kulturen und der Hoffnung auf die Wiedervereinigung Koreas geprägt.
Jean-Joseph-Marie Amiot (1718-1793): “Divertissement Chinois”
Amiot reiste 1751 nach China und lebte dort bis zu seinem Tod in Peking. Als Jesuit am Qing-Hof genoss er Zugang zu kulturellen und musikalischen Kreisen und nutzte dies, um umfassende Studien über chinesische Sprache, Geschichte und Musik zu betreiben.
Das Werk ist Teil von Amiots Bemühen, das europäische Verständnis der chinesischen Musik zu vertiefen. Er sah die chinesische Musik als eine Kunstform mit langer Tradition, die er durch Notierung (Transkription) für europäische Musiker zugänglich machen wollte.
Die Sammlung enthält Transkriptionen chinesischer Musikstücke, die für europäische Instrumente angepasst wurden.
Wen-Cheng-Wie (*1999): „The Golden Fish“
Wen-Cheng beobachtete täglich seine Goldfische, deren Bewegungen der Flossen und wie das Licht von den Schuppen im Glas reflektiert wird. Alles hinter dem Glas im Aquarium wurde durch das Wasser verformt und verschwommen. „Die Schönheit der Unschärfe werde ich nie vergessen.“ Im Wasser liegend konzentriert sich der Blick wie bei einem Kaleidoskop. The Golden Fish spiegelt die instabile, brillante Textur von Fisch, Licht und Wasser wider.
Innerer Monolog und Außenwelt
Klang als Spiegel der Seele
Am 7. Juni konzertiert Louisa Sieveke (Flöten und Fagott) um 11 Uhr in einer Matinee im Contemporaneum. Mit Ihrem Programm greift sie die Thematik der Ausstellung auf und gestaltet ein „Gesamtkunstwerk“, das aus musikalischen und bildnerischen Elementen entsteht.
Einlass 10:30 h, Beginn 11:00 h, Eintritt 20 €
Wegen der beschränkten Anzahl von Plätzen bitte reservieren unter
contemporanea@hkreeh.de oder klangkunst.trier@hkreeh.de